Wir lassen uns nicht instrumentalisieren

 
Vor wenigen Tagen erhielt ich einen weiteren bleibenden Eindruck davon, was es heißt, in der Politik tätig zu sein. Als Vorsitzender der Piraten Main-Taunus bekam ich meinen ersten anonymen Brief zugestellt. Glücklicherweise stellte es sich nicht als Drohbrief heraus, zumindest nicht gegen meine Person. Allerdings wurden in dem einseitigen Pamphlet anonym schwerwiegende Vorwürfe gegen eine politisch bekannte Person des Kreises erhoben. Diese Vorwürfe bezogen sich ausschließlich auf private Verfehlungen, haben keinesfalls einen politischen Hintergrund und wären – wenn zutreffend – ein Fall für die Staatsanwaltschaft bzw. die Polizei.
 
Auch wenn der Brief von Aufbau und Stil so wirkt, als wäre es nicht nur an mich, sondern vermutlich auch an andere Vertreter politischer Parteien und lokale Zeitungen versendet worden, so ist der Versand an die Piratenpartei perfide und geschickt. Die Idee dahinter ist wohl, dass sich eine Partei, die sich Transparenz und den Schutz von Whistleblowern auf die Fahne geschrieben hat, so einer Steilvorlage kaum widersetzen kann. Ich kann hiermit versichern: Wir können. Es ist nicht unsere Aufgabe, Privatdetektiv zu spielen, Beweise zu erheben oder ungeprüfte Vorwürfe zu übernehmen und zu veröffentlichen.
 
An den Schreiber des anonymen Briefes kann ich nur appellieren, die Vorwürfe mit Beweisen zu untermauern und diese dann der Polizei vorzulegen. Auch eine anonyme Anzeige ist in Deutschland möglich.
 
Ich möchte nicht pauschal für die Zukunft sprechen, denn jeder neue Fall eines anonymen Briefes kann anders sein, aber wir werden in weiteren Fällen nach Möglichkeit so verfahren: Durchlesen, Ignorieren, Archivieren und im Bedarfsfall mit entsprechend legitimierten Ermittlern kooperieren.
 

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Kommentare

Typo: Perfide und geschickt? kwt

kwt

immer den Blick fürs Wesentlliche

mir gefällt der Kommentar äußerst gut, sachlich, andeutend, im Versuch aufklärend, dennoch nicht reißerisch... Politik ist nicht einfach - dahinter steht u.a. Lenkung - und das ist doch schon ein delikates Thema. Dem einen gefällts - dem anderen missfällts - passiert nix - ist es auch nix. Ich bin begeistert von eurem Ansatz, nur weiter so!!!

Crissy

Unterscheidung

Das zeigt, wie wichtig es ist, dass wir klarstellen: Whistlelowing ist kein Denunziantentum. Whistleblowing deckt Missstände bei öffentlichen Einrichtungen, der Politik oder großen Organisationen auf. Es richtet sich nicht gegen Privatpersonen.